Amazon ist längst viel mehr als ein riesiger Onlinehändler. Wie weit die Macht des Konzerns tatsächlich reicht und mit welchen Methoden er seine Position ausbaut, zeigt Dana Mattioli in diesem bemerkenswerten Buch.
Die Investigativjournalistin des Wall Street Journal hat über Jahre recherchiert, interne Dokumente ausgewertet und mit zahlreichen Insidern gesprochen. Was dabei zum Vorschein kommt, ist das Porträt eines Unternehmens, das seine Märkte nicht einfach nur erobern, sondern möglichst vollständig kontrollieren will.
Besonders aufschlussreich fand ich die Einblicke in Amazons strategisches Vorgehen. Wie der Konzern seine gewaltigen Datenbestände nutzt, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Wie er seine Marktmacht gegenüber Lieferanten und Händlern ausspielt. Und wie geschickt er immer neue Geschäftsfelder erschließt, während Wettbewerber zunehmend von seiner Infrastruktur abhängig werden.
Dabei entsteht ein ziemlich ernüchterndes Bild. Hinter dem bequemen Einkaufserlebnis für Millionen Kunden steht ein System, das seine eigenen Interessen mit bemerkenswerter Konsequenz durchsetzt. Die Frage, wo legitimer Wettbewerb endet und der Missbrauch von Marktmacht beginnt, zieht sich durch das gesamte Buch.
Allerdings macht Mattioli es ihren Lesern nicht immer leicht. Über 500 Seiten, viele Details und ein eher nüchterner, journalistischer Schreibstil verlangen einiges an Ausdauer. Etwas weniger Material und eine straffere Erzählweise hätten dem Buch aus meiner Sicht gutgetan.
Trotzdem hat sich die Lektüre für mich gelohnt. „Der Gigant“ liefert faszinierende Einblicke in die Mechanismen wirtschaftlicher Macht und zeigt, wie ein einzelnes Unternehmen ganze Branchen verändern kann.
Wer verstehen möchte, wie Amazon tatsächlich funktioniert, findet hier reichlich Stoff zum Nachdenken.