Abschied von Amerika – Marc Pitzke

Fünf Jahre habe ich in den USA gelebt. Von 1995 bis 2000, in Phoenix, Arizona. Meine ersten Wochen verbrachte ich bei Lucy, einer unglaublich herzlichen und gastfreundlichen Amerikanerin. Ich habe dieses Land damals lieben gelernt. Seine Menschen, seine Offenheit, seinen Optimismus.

Marc Pitzke ging es ähnlich. Auch er kam voller Begeisterung nach Amerika. Und auch ihm wurde seine Wahlheimat über die Jahre zunehmend fremd.

Was mir an seinem Buch besonders gefällt, ist die wunderbare Verbindung von amerikanischer Zeitgeschichte und persönlichen Erlebnissen. Bush gegen Gore, die Anschläge vom 11. September, Hurrikan Katrina, Obamas Amtseinführung, Trumps Aufstieg und Wiederwahl. Drei Jahrzehnte amerikanische Geschichte, bei denen ich immer wieder dachte: Ach ja, stimmt. Daran erinnere ich mich!

Dabei gelingt Pitzke etwas, das keineswegs selbstverständlich ist: Er erzählt persönlich, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Seine Erfahrungen machen Geschichte lebendig, ohne sie zu überlagern.

Besonders interessant fand ich, wie deutlich wird, dass das Amerika von heute nicht über Nacht entstanden ist. Die Veränderungen begannen viel früher. Erst schleichend, kaum wahrnehmbar. Bis irgendwann ein Land, das vielen von uns einmal als Vorbild galt, kaum wiederzuerkennen war.

Ich teile nicht jede seiner Einschätzungen. Muss ich auch nicht. Gerade der Blick eines deutschen Journalisten, der dieses Land über Jahrzehnte aus nächster Nähe beobachtet hat, macht die Lektüre so spannend.

Für mich ein ausgesprochen lesenswertes Buch. Besonders für alle, die sich fragen, wann und warum uns dieses einst so bewunderte Amerika eigentlich fremd geworden ist.

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