Wie schwer fällt es uns eigentlich, unsere Meinung zu ändern? Ziemlich schwer, wenn wir ehrlich sind. Wir halten an Überzeugungen fest, selbst wenn längst einiges dagegenspricht. Nicht unbedingt, weil wir es besser wissen, sondern weil es sich gut anfühlt, recht zu haben.
Adam Grant beschäftigt sich in „Think Again“ mit der Frage, warum wir so ungern umdenken und wie wir lernen können, unsere eigenen Überzeugungen häufiger zu hinterfragen. Seine zentrale These: In einer Welt, die sich ständig verändert, ist die Fähigkeit, alte Gewissheiten über Bord zu werfen, mindestens so wichtig wie die Fähigkeit, neues Wissen zu erwerben.
Besonders interessant finde ich seinen Gedanken, dass wir unsere Meinungen häufig mit unserer Identität verwechseln. Wer eine Überzeugung aufgibt, hat schnell das Gefühl, damit auch einen Teil seiner Persönlichkeit zu verlieren. Dabei sollte es doch genau umgekehrt sein: Neue Erkenntnisse sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Lernfähigkeit.
Grant plädiert für eine Haltung, die Neugier über Gewissheit stellt und intellektuelle Bescheidenheit mit Selbstvertrauen verbindet. Man kann von seinen Fähigkeiten überzeugt sein und gleichzeitig anerkennen, dass das eigene Wissen begrenzt ist. Ein Gedanke, der mir ausgesprochen gut gefällt.
„Think Again“ gehört zu den Büchern, bei denen ich ständig zum Leuchtstift gegriffen und Post-its zwischen die Seiten geklebt habe. Weil Grant nicht nur kluge Gedanken formuliert, sondern immer wieder dazu bringt, die eigenen Denkgewohnheiten kritisch zu betrachten.
Ein großartiges Buch über die Kunst, nicht auf der eigenen Meinung zu beharren. Und über die Einsicht, dass es manchmal klüger ist, seine Meinung zu ändern, als recht zu behalten.