Ein Buch über Karma, geschrieben von einem indischen Yogi? Das klingt zunächst nach reichlich Spiritualität und esoterischen Lebensweisheiten. Tatsächlich habe ich darin aber erstaunlich viele Gedanken wiedergefunden, die mich seit Jahrzehnten beschäftigen.
Sadhguru versteht Karma nicht als Schicksal, dem wir ausgeliefert sind. Ganz im Gegenteil. Für ihn bedeutet Karma, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Nicht ständig die äußeren Umstände, andere Menschen oder die eigene Vergangenheit dafür verantwortlich zu machen, wie es uns geht. Sondern zu erkennen, dass wir viel mehr Einfluss auf unser Leben haben, als wir häufig glauben.
Besonders gefallen mir seine Gedanken darüber, wie wir unser Leben gestalten. Warum tun wir so viele Dinge aus Pflichtgefühl, obwohl sie uns keine Freude bereiten? Warum versuchen wir ständig, etwas zu erreichen oder anzuhäufen, um uns endlich vollständig zu fühlen? Und warum fällt es uns so schwer, das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen wirklich intensiv zu erleben?
Das sind Fragen, die Sadhguru mit einer bemerkenswerten Klarheit und manchmal auch mit einer gehörigen Portion Provokation behandelt.
Ich habe dieses Buch nicht in einem Rutsch gelesen, sondern über mehrere Wochen immer wieder zur Hand genommen. Manche Passagen haben mich lange beschäftigt, andere haben mir neue Perspektiven eröffnet. Vor allem aber habe ich aus der Lektüre viel Kraft und Inspiration gezogen.
Man muss weder Yogi sein noch an spirituelle Konzepte glauben, um aus diesem Buch etwas mitzunehmen. Für mich ist „Karma“ vor allem eine Einladung, bewusster, selbstbestimmter und mit mehr Freude zu leben.