Shenzhen ist eine Stadt der Superlative. Eine Millionenmetropole, in der die Zukunft an vielen Stellen längst Alltag ist. Elektroautos, Roboter, künstliche Intelligenz, Gesichtserkennung und digitale Vernetzung gehören hier ganz selbstverständlich zum Stadtbild.
Frank Sieren, der seit Jahrzehnten in China lebt und das Land wie kaum ein anderer deutscher Journalist kennt, hat dieser faszinierenden Stadt ein ganzes Buch gewidmet.
Was mich daran besonders begeistert, ist sein Blick hinter die technologischen Kulissen. Sieren interessiert sich nicht nur für die großen Unternehmen und spektakulären Innovationen, sondern vor allem für die Menschen, die in Shenzhen leben. Er besucht Restaurants, erkundet die überraschend vielfältige Subkultur, beschäftigt sich mit der Wohnsituation und trifft Unternehmer, Designer und kreative Köpfe.
Dabei entsteht das Bild einer Stadt voller Widersprüche. Shenzhen ist futuristisch und gleichzeitig erstaunlich dörflich. Nachhaltig und verschwenderisch. Unglaublich dynamisch und zugleich bis in den letzten Winkel überwacht.
Gerade diese Gegensätze machen das Buch so interessant. Denn Sieren verschweigt keineswegs die Schattenseiten des chinesischen Fortschritts. Die allgegenwärtige Überwachung und die Möglichkeiten staatlicher Kontrolle sind ebenso Teil seiner Erkundungen wie die beeindruckende Innovationskraft der Stadt.
Ich mag Sierens Art, China zu beschreiben. Er schaut genau hin, ist neugierig und lässt sich auf die Menschen und ihre Lebenswirklichkeit ein. Ohne die Begeisterung für das Neue zu verlieren, aber auch ohne die problematischen Entwicklungen auszublenden.
„Shenzhen“ ist für mich weit mehr als ein Buch über eine chinesische Großstadt. Es ist eine faszinierende Entdeckungsreise in eine mögliche Zukunft, die gleichzeitig beeindruckt und nachdenklich macht.