Wie wir die Welt sehen: Was negative Nachrichten mit unserem Denken machen - Ronja von Wurmb-Seibel

Wer regelmäßig Nachrichten verfolgt, könnte leicht den Eindruck gewinnen, die Welt bestehe hauptsächlich aus Krisen, Katastrophen und Konflikten. Dabei ist das, was wir täglich lesen, hören und sehen, keineswegs ein repräsentatives Abbild unserer Wirklichkeit. Es ist eine Auswahl. Und diese Auswahl beeinflusst unser Denken stärker, als uns bewusst ist.

Ronja von Wurmb-Seibel weiß, wovon sie spricht. Die Journalistin hat zwei Jahre als Reporterin in Kabul gelebt und sich intensiv damit beschäftigt, wie Geschichten unsere Wahrnehmung prägen. Ihre zentrale Erkenntnis: Es macht einen gewaltigen Unterschied, welche Geschichten wir erzählen und vor allem, wie wir sie erzählen.

Besonders interessant fand ich ihre Überlegungen zur Nachrichtenberichterstattung. Einzelne Meldungen können vollkommen korrekt sein und in ihrer Gesamtheit trotzdem ein verzerrtes Weltbild erzeugen. Wer ständig nur von Problemen hört, verliert irgendwann den Blick für Fortschritte, Möglichkeiten und Lösungen.

Dabei plädiert von Wurmb-Seibel keineswegs dafür, schlechte Nachrichten auszublenden oder die Welt schönzureden. Vielmehr geht es darum, Probleme nicht isoliert zu betrachten, sondern auch nach Handlungsmöglichkeiten und positiven Entwicklungen zu fragen.

Die kleinen Experimente am Ende der Kapitel gefallen mir besonders, weil sie dazu anregen, die eigenen Nachrichten- und Erzählgewohnheiten einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Und noch etwas ist mir bei der Lektüre aufgefallen: Während viele Sachbücher nach einem starken Einstieg irgendwann an Substanz verlieren, wurde dieses für mich von Kapitel zu Kapitel interessanter. Eine ausgesprochen angenehme Überraschung.

Ein wunderbares, augenöffnendes Buch, das meinen Blick darauf geschärft hat, wie sehr Geschichten unsere Wirklichkeit beeinflussen. Und wie viel sich verändern kann, wenn wir anfangen, andere Geschichten zu erzählen.

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