Was erleben Menschen in ihren letzten Tagen und Stunden? Was beschäftigt sie, wovor haben sie Angst, und gibt es tatsächlich so etwas wie unerklärliche Begegnungen an der Grenze zwischen Leben und Tod?
Ein faszinierendes Thema, über das ich gerne mehr erfahren wollte.
Hadley Vlahos arbeitet als Hospizkrankenschwester und erzählt in ihrem Buch von Begegnungen mit sterbenden Menschen. Von Patienten, die plötzlich verstorbene Angehörige sehen, Gespräche mit längst Verstorbenen führen oder kurz vor ihrem Tod Erfahrungen machen, die sich rational nur schwer erklären lassen.
Das klingt zunächst nach einer außergewöhnlichen Sammlung sehr persönlicher Geschichten.
Allerdings wurde ich mit diesem Buch nicht richtig warm.
Viele der Erlebnisse wirken auf mich erstaunlich glatt und beinahe zu schön, um wahr zu sein. Fast jede Geschichte scheint auf einen bewegenden Moment, eine tiefere Erkenntnis oder eine tröstliche Botschaft hinauszulaufen. Mitunter hatte ich das Gefühl, das Drehbuch einer besonders rührseligen Netflix-Serie zu lesen.
Dabei möchte ich die Erfahrungen der Menschen keineswegs infrage stellen. Was mich stört, ist vielmehr die Art, wie Vlahos sie präsentiert. Mir fehlt die Ambivalenz, das Unbequeme, manchmal auch das Widersprüchliche, das zu einem so existenziellen Thema dazugehört.
Ihr Schreibstil ist leicht zugänglich, und ich kann durchaus verstehen, warum viele Menschen in diesen Geschichten Trost finden.
Mich haben sie allerdings eher skeptisch zurückgelassen.
„Zwischen den Welten“ ist sicherlich ein Buch, das berühren kann. Ich hätte mir jedoch weniger sentimentale Erzählungen und mehr Tiefe, kritische Distanz und Offenheit gegenüber den vielen Facetten des Sterbens gewünscht.