Über Fehler wird viel geredet. Wir sollen sie zulassen, aus ihnen lernen und am besten noch eine positive Fehlerkultur entwickeln. Klingt gut. Aber ganz so einfach ist es nicht. Denn nicht jeder Fehler ist wertvoll. Und manche sollte man tunlichst vermeiden.
Genau hier setzt Amy Edmondson an. Die Harvard-Professorin beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Frage, warum Menschen und Organisationen Fehler machen, wie sie damit umgehen und was sie daraus lernen können.
Was mir an ihrem Buch besonders gefällt: Sie romantisiert das Scheitern nicht. Stattdessen unterscheidet sie zwischen vermeidbaren Fehlern, komplexen Fehlern und intelligenten Fehlschlägen. Letztere entstehen, wenn wir auf unbekanntem Terrain etwas Neues ausprobieren, sorgfältig vorgehen und trotzdem scheitern. Solche Fehler können ausgesprochen wertvoll sein, weil sie Erkenntnisse liefern, die wir anders kaum gewinnen würden.
Besonders aufschlussreich fand ich ihre Überlegungen darüber, warum Menschen Fehler lieber verheimlichen. In vielen Unternehmen wird zwar ständig von einer offenen Fehlerkultur gesprochen. Wer tatsächlich einen Fehler macht, muss aber nicht selten mit unangenehmen Konsequenzen rechnen. Die Folge: Probleme werden verschwiegen, Risiken vertuscht und wichtige Lernchancen verspielt.
Edmondson zeigt anhand zahlreicher Beispiele aus Unternehmen, Wissenschaft und Alltag, wie wir klüger mit Fehlern umgehen können. Ohne die üblichen Durchhalteparolen und ohne die naive Vorstellung, dass Scheitern grundsätzlich etwas Gutes sei.
Ein fundiertes, kluges und ausgesprochen praxisnahes Buch. Vor allem die Unterscheidung zwischen Fehlern, die wir vermeiden sollten, und solchen, die uns wirklich weiterbringen, ist mir in Erinnerung geblieben.