Hidden Potential: Die Wissenschaft des Erfolgs - Adam Grant

Adam Grant gehört zu den Autoren, deren Bücher ich immer wieder gerne lese. Er hat ein besonderes Talent dafür, vermeintliche Selbstverständlichkeiten infrage zu stellen und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu zeigen, dass die Dinge oft ganz anders liegen, als wir glauben.

In „Hidden Potential“ beschäftigt er sich mit der Frage, warum manche Menschen über sich hinauswachsen, während andere trotz hervorragender Voraussetzungen hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben.

Seine zentrale These: Wir überschätzen angeborenes Talent und unterschätzen, wie sehr sich Fähigkeiten entwickeln lassen.

Besonders interessant fand ich seine Überlegungen zum Lernen. Wer besser werden möchte, muss bereit sein, sich eine Zeit lang ungeschickt und unsicher zu fühlen. Genau das versuchen wir aber häufig zu vermeiden. Dabei beginnt persönliches Wachstum oft dort, wo es unangenehm wird.

Auch Grants Unterscheidung zwischen Feedback und Ratschlägen ist mir in Erinnerung geblieben. Statt andere zu fragen, wie gut wir etwas gemacht haben, sollten wir lieber fragen, wie wir es beim nächsten Mal besser machen können. Ein kleiner Perspektivwechsel mit erstaunlich großer Wirkung.

Und dann ist da noch seine Kritik am Perfektionismus, der uns häufig daran hindert, Neues auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen.

So weit, so inspirierend.

Allerdings hat mich die Lektüre stellenweise ziemlich viel Geduld gekostet. Grant verpackt seine Erkenntnisse in ausführliche Geschichten, die sich mitunter endlos hinziehen. Nicht jede davon trägt wirklich etwas Neues bei. Mehr als einmal habe ich mir gewünscht, er hätte den Mut gehabt, das Buch auf 200 Seiten zusammenzustreichen.

Mein Fazit fällt deshalb zwiespältig aus: viele kluge Gedanken und wertvolle Anregungen, aber unnötig langatmig erzählt. Ein gutes Buch, das mit weniger Seiten vermutlich ein noch besseres geworden wäre.

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