Eine Staatsanwältin, die im Darknet ermittelt, Cyberkriminelle jagt und digitalen Geldströmen hinterherspürt. Das klingt nach einem ziemlich spannenden Buch. Und genau darauf hatte ich mich bei der Lektüre von „Digital. Kriminell. Menschlich.“ gefreut.
Jana Ringwald gehört zu den profiliertesten Cyberstaatsanwälten Deutschlands und gewährt faszinierende Einblicke in eine Welt, von der die meisten von uns nur wenig wissen. Es geht um Hacker, Drogendealer, digitale Betrugsmaschen und die Herausforderungen einer Justiz, die mit der rasanten Entwicklung der Cyberkriminalität Schritt halten muss.
Was mich überrascht hat, ist die menschliche Perspektive, die Ringwald einnimmt. Sie interessiert sich nicht nur dafür, wie man Kriminelle überführt, sondern auch dafür, was Menschen zu Straftaten bewegt und wie ein gerechtes Strafrecht aussehen sollte. Prävention und Resozialisierung spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die eigentliche Strafverfolgung.
Das fand ich durchaus interessant. Allerdings hatte ich mir von dem Buch etwas anderes versprochen.
Ich hätte gerne mehr über konkrete Ermittlungen erfahren, über spektakuläre Fälle, überraschende Wendungen und die technischen Möglichkeiten der Cybercrime-Jäger. Stattdessen nimmt der juristische Alltag ziemlich viel Raum ein.
Hinzu kommt, dass Ringwald es ihren Lesern sprachlich nicht immer leicht macht. Verschachtelte Sätze, juristische Ausführungen und eine gelegentlich sprunghafte Struktur bremsen den Lesefluss.
Schade eigentlich, denn das Thema hätte unglaublich viel Potenzial.
„Digital. Kriminell. Menschlich.“ bietet interessante Einblicke in eine weitgehend unbekannte Welt und wirft wichtige Fragen über Recht und Gerechtigkeit auf. Ein spannendes Thema, eine bemerkenswerte Autorin – aber leider nicht ganz das Lesevergnügen, das ich mir erhofft hatte.