Okay, ich gebe zu: Ich bin drauf reingefallen.
„101 Essays, die dein Leben verändern werden“. Ein vielversprechender Titel, dazu ein Aufkleber mit „SPIEGEL Bestseller Platz 1“. Also habe ich zugegriffen. Und mich ziemlich vergriffen.
Dabei klingt schon das Inhaltsverzeichnis verlockend. „Die 7 Prinzipien des Zen“, „Die Psychologie der Alltagsroutine“, „10 Dinge, die emotional intelligente Menschen nicht tun“ und noch 98 weitere Überschriften, die interessante Gedanken und neue Perspektiven versprechen.
Leider bleibt es weitgehend bei den Versprechen.
Was Brianna Wiest auf den folgenden Seiten präsentiert, ist für meinen Geschmack ein ziemlich dünnes Süppchen. Statt fundierter Überlegungen oder überraschender Einsichten gibt es vor allem Aufzählungen, Lebensweisheiten und Ratschläge, die man in ähnlicher Form schon hundertmal gelesen hat.
Besonders geärgert hat mich das Kapitel über die sieben Prinzipien des Zen. Zen-Buddhismus auf vier Seiten abzuhandeln, ist schon ambitioniert. Wenn dabei allerdings kaum mehr herauskommt als der Ratschlag, sich neben dem Meditieren auch Zeit zum Entspannen und Nachdenken zu nehmen, frage ich mich, wo hier eigentlich der Erkenntnisgewinn liegt.
Vielleicht liegt es an meinen Erwartungen. Wer ein Buch mit 101 Essays kauft, rechnet schließlich mit Essays. Mit Gedanken, die etwas vertiefen, Zusammenhänge herstellen oder gewohnte Sichtweisen infrage stellen. Nicht mit einer Sammlung leicht verdaulicher Selbstoptimierungstipps.
Für mich ist dieses Buch intellektuelles Fastfood: schnell konsumiert, hübsch angerichtet, aber wenig gehaltvoll.
Selten hat mich ein Bestseller so enttäuscht.