Immer positiv denken. An sich glauben. Große Ziele setzen. Und bloß keine negativen Gedanken zulassen. Wer sich durch die Ratgeberliteratur der vergangenen Jahrzehnte arbeitet, könnte glauben, dass Glück vor allem eine Frage der richtigen Einstellung ist.
Oliver Burkeman hält davon herzlich wenig. Und genau das macht sein Buch so erfrischend.
Er stellt eine ziemlich unbequeme Frage: Was wäre, wenn uns ausgerechnet der ständige Versuch, glücklich zu sein, unglücklich macht?
Burkeman beschäftigt sich mit den Widersprüchen der Selbsthilfeindustrie und zeigt, warum der Zwang zum positiven Denken häufig genau das Gegenteil dessen bewirkt, was er verspricht. Wer negative Gefühle unbedingt vermeiden möchte, gibt ihnen oft erst recht Macht über das eigene Leben.
Besonders interessant fand ich seine Überlegungen zur Unsicherheit. Wir investieren unglaublich viel Energie in den Versuch, unser Leben zu kontrollieren und möglichst alle Risiken auszuschließen. Dabei gehört die Ungewissheit nun einmal zum Leben. Vielleicht wäre es klüger, sich mit ihr anzufreunden, statt ständig gegen sie anzukämpfen.
Auch seine Gedanken über das Aufschieben haben mir gefallen. Warum glauben wir eigentlich, dass wir erst motiviert sein müssen, bevor wir etwas anfangen können? Manchmal reicht es völlig, keine Lust zu haben und trotzdem loszulegen.
Burkeman schreibt klug, angenehm unaufgeregt und mit einem feinen Gespür für die Absurditäten unserer Selbstoptimierungskultur. Statt neue Glücksrezepte zu verkaufen, hinterfragt er die Vorstellung, dass wir unser Leben überhaupt ständig verbessern und optimieren müssen.
Ein ausgesprochen lesenswertes Buch. Gerade weil es nicht verspricht, uns glücklich zu machen, sondern zeigt, warum wir vielleicht besser damit aufhören sollten, dem Glück ständig hinterherzulaufen.